Der Skandal um die schwedische Akademie und den verurteilten Theaterregisseur Jean-Claude Arnault zieht immer weitere Kreise.
Die Frau von Jean-Claude Arnault verlässt den Gerichtssaal.
Die Frau von Jean-Claude Arnault verlässt den Gerichtssaal. Er wurde zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Ein TV-Bericht enthüllt nun, dass die schwedische Akademie bereits seit den 90er Jahre über Arnaults Fehlverhalten informiert ist. - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Schwedische Akademie wurde in den 90er auf das Felverhalten von Arnault informiert.
  • Ein TV-Bericht enthüllt, dass drei Frauen in Briefen von sexuellen Belästigungen sprachen.
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Die Schwedische Akademie soll bereits in den 90er Jahren darauf aufmerksam gemacht worden sein, dass sich der Theaterregisseur Jean-Claude Arnault gegenüber Frauen unpassend verhielt. Einem Bericht des schwedischen Fernsehens SVT von heute Mittwoch zufolge haben drei Frauen in Briefen an die Akademie geschrieben, Arnault habe sie sexuell belästigt. Die Briefe waren nicht beantwortet worden. Der Franzose Jean-Claude Arnault wurde am Montag wegen zweifacher Vergewaltigung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Vor einem Jahr hatten 18 Frauen in der Zeitung «Dagens Nyheter» von sexuellen Übergriffen seitens Arnault berichtet.

Arnault steht der Schwedischen Akademie, die den Literaturnobelpreis vergibt, sehr nah. Seine Frau ist Mitglied des Gremiums. Ausserdem leitete er einen Kulturverein, der mit 100'000 schwedischen Kronen (etwa 11'100 Franken) im Jahr von der Akademie bezuschusst wurde. Als die Vorwürfe gegen Arnault bekannt wurden, forderten einige Akademiemitglieder Konsequenzen, wurden aber überstimmt. Seitdem ist die Akademie völlig zerstritten.

«Ich bekam keine Antwort, also schwieg ich»

Eine der Briefschreiberinnen war dem Bericht zufolge die Künstlerin Anna-Karin Bylund. Sie schrieb, dass sie 1994 von Jean-Claude Arnault im Zusammenhang mit einer Ausstellung «sexuell belästigt und sexuell missbraucht» worden sei. «Ich bekam keine Antwort, also schwieg ich», erzählte sie SVT. In einem Telefoninterview mit dem Schwedischen Radio sagte der damalige Ständige Sekretär Sture Allén: «Das war etwas sehr Vages und Flüchtiges, das einmal aufkam und nicht weiter verfolgt wurde.» Inzwischen hat Bylund eine Entschuldigung erhalten.

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